From Neustrelitz to New Zealand

Archiv für März, 2009

28
Mrz

Höhenluft in Wanaka und Queenstown

geschrieben in Erlebnisse  von admin am 28.03.2009

Über die wunderschöne Strecke des Haast Pass begaben wir uns weiter ins Landesinnere in Richtung Wanaka. Bei zwei plätschernden Wasserfällen stoppten wir, um einen genaueren Blick darauf zu werfen und befanden sie einstimmig als sehenswert. Einer davon war sogar von tausenden kleinen Türmchen umgeben, die mit lauter runden Flusssteinen aufgestapelt waren. Nachdem wir unseren Beitrag zur Turmlandschaft geleistet hatten, ging es weiter auf der sonnenbeschienenen Fahrt vorbei an zwei riesigen blau glitzernden Bergseen. Vom ersten See, Lake Wanaka, schon ganz begeistert wollten wir am anderen, Lake Hawea, unser Nachtlager aufschlagen. Leichter gesagt als getan! Nach langer Suche einer wassernahen Stelle wurden wir sofort wieder weggescheucht und begnügten uns mit der Übernachtung auf einem Campingplatz am Fluss. Dorthin war auch Ollie mitgekommen, den wir bei einem unser vielen Stopps kennengelernt hatten.

Als wir am nächsten Tag zu dritt in Wanaka ankamen, verbrachten wir etwas Zeit zwischen Ständen auf dem Markt, kauften deutsche Leberwurst und Semmel und hielten ein Brotzeit-Picknick mit anschließendem Haarschnitt für unseren neuen Freund ab.
Danach ging es in die verrückte Puzzling World. Dort gaben wir uns optischen Illusionen hin, lachten ausgelassen über die Schrägheit von Wand und Boden und kämpften uns durch die Gänge und Ecken des Labyrinth. Schließlich bestiegen wir noch den schrägen Uhrenturm von Wanaka, doch da die Stadt so vollgepackt von Touristen war, zog es uns in die ruhige, von Bergen bestimmte Umgebung.

Als wir den Abend mit einigen Bergkletterern verbrachten, war deutlich zu spüren: Der Winter ist am kommen. Doch wir erholten uns am nächsten Morgen schnell von der eisigen Nacht und unternahmen mit Ollie bei strahlendem Sonnenschein eine Wanderung zum Rob-Roy-Gletscher. Nach der zweiten Nacht mit Frost an den Autoscheiben hatten wir allerdings genung von der kalten Höhenlage und verabschiedeten uns sowohl von Wanaka als auch von Ollie.

Unsere Route führte uns weiter nach Queenstown – am wunderschönen See Wakatipu gelegen, umgeben von beeindruckenden Bergen und wieder massenhaft Touristen. Aber dieser Ort hatte noch so einiges mehr zu bieten. Irgendwie Großstadt-Feeling im Kleinformat, umzingelt von unglaublichen Panoramen.

Wir kamen bei Mark unter, den wir am Farewell Spit kennengelernt hatten und welcher nun dabei war, eine alte Schule als Touristenunterkunft für die kommende Skisaison umzubauen. Es folgte eine Woche, in der wir mehr oder weniger jeden Abend mit Mark Ranfurly tranken, uns viele Gedanken über Bungyjumping machten (und es am Ende doch sein ließen) und den besten Burger der Stadt endeckten – Fergburger, ein Laden, bei dem man noch um vier Uhr morgens anstehen darf.

Am zweiten Tag Queenstown trafen wir auch schon unseren alten Freund Ollie wieder, der uns sogleich am Abend in die örtlichen Clubs begleitete. Nach einem späten Morgen ging es mit Mark und Ollie hinauf zu den Remarkables – eine einzigartige Bergkette, deren Spitze wie gezackt scheint. Vom Wind gepeischt wieder runter in die Stadt zurück zur alten Schule, wo wir allesamt ein großes Barbeque bereiteten, zu dem sich auch Marks Mitbewohner Ryan gesellte. Nach einem kleinen Basketballmatch gabs dann mal wieder (wie auch anders zu erwarten) jeden Menge Bier.

Jedoch erst am nächsten Abend wurde die erste offizielle Ranfurly-Party veranstaltet. Leider ohne Ollie, er war schon weitergereist. Eingedeckt mit zwei großen Boxen des uns so verehrten Getränks machten wir uns an die Arbeit, so viel Bier wie möglich vor AUfbruch in die Stadt zu trinken. Einige Tanzstunden und zwei Vulcanos (brennende Riesencoctails) später, war Pauline verschwunden und Anne der Lost-People-Gruppe beigetreten. Nachdem Mark uns allerdings wieder versammelt hatte, kamen wir in den frühen Morgenstunden zurück, um uns ausgiebig auszuruhen und fit für den nächsten Abend zu sein.

Da sollten wir wieder einen Freund unserer bisherigen Reise treffen. Bart von der Blue Buck Farm hatte es nach Queenstown verschlagen und leistete uns die kommenden Tage Gesellschaft. Alledings war es für uns der letzte Abend in dieser Stadt und so gingen nach einem deftigen Abendbrot auch schon die Trinkspiele zusammen mit allen Hausbewohnern los und wir zelebrierten unseren Abschied mit einer zweiten gebührenden Ranfurly-Party.

Am nächsten Tag fuhren wir buchstäblich ins Paradies. Sonne, Ruhe, Wind, Entspannung. Nachdem wir dann alle Sachen gepackt und noch so manche Träne über die Bilder und Videos der letzten Tage gelacht hatten, hieß es Byebye Queenstown (We will be back).

20
Mrz

Von Eis umzingelt

geschrieben in Erlebnisse  von admin am 20.03.2009

Es sollte noch einmal zurück nach Greymouth gehen, um dort die zwei großen Probleme von Fluffy zu beheben. Soll heißen: Die angeknackste Windschutzscheibe auswechseln zu lassen und uns endlich um den störrischen Anlasser zu kümmern. Außerdem sollte noch viel Zeit verwendet werden, die vielen Erlebnisse niederzuschreiben und uns um  vernachlässigte Kleinigkeiten zu sorgen.

Wir verbrachten also einige Tage damit, Organisatorisches zu erledigen, Fluffy eine ordentliche Reinigung zu verpassen und regelmäßig das Internet der Stadtbibiliothek zu nutzen. Nachdem wir genügend Werkstätten abgeklappert hatten, um unser Auto wieder normal starten zu können, stolze Besitzer einer nagelneuen Windschutzscheibe waren und nebenbei noch den Haarschnitt bei Sonnenuntergang erledigt hatten, konnte es endlich die Westküste hinuntergehen.

Noch am Abend unseres Aufbruchs gelangten wir zu einem von Neuseelands einzigartigeren Naturwundern: Der Franz Josef Glacier. Ein Gletscher, der von den Southern Alps bis zum Fuße der Berge mitten in den subtropischen Busch hineinragt.

Wir liefen durchs steinige Flusstal, an einem wunderschönen Wasserfall vorbei bis hin zur Barriere und drüber hinweg. Doch war uns bald auch eine natürliche Grenze gesetzt, womit wir nur den Blick aus einiger Entfernung hatten, welcher bei solch riesiger Eismasse trotzdem Eindruck machte.

Und weil diese Art Gletscher eben so besonders ist, brauchten wir bloß eine halbe Stunde weiter fahren, um noch so einen bewundern zu können. Der Fox Glacier, bei dem Anne schon ein paar Tage zuvor für den nächsten Morgen 8 Uhr eine Eisklettertour gebucht hatte. Da es bereits dunkel war, hieß es: Ab ins Bett und ausruhen für die herannahenden Anstrengungen.

Während Anne in der Frühe mit ihrer Kletterausrüstung vertraut gemacht wurde, entschied auch Pauline ganz spontan, sich das Eis bei einer Tageswanderung aus der Nähe anzuschauen. Es wurden gleich die Wanderstiefel ausgeteilt und los gings mit dem Bus, vorbei an einem kleinen satttürkisen Gletschersee, bis 2 Kilometer vor die riesige Eiswand. Schon stolperte Paulines achtköpfige Gruppe übers Flusstal an weiteren farbenfrohen Wasserlöchern entlang und hörte gespannt den Worten ihres Tourführers zu, der so manch Wissenswertes über die Umgebung zu berichten hatte und mit vielen interessanten Geschichten und Erlebnissen aufwartete.

Nach einem spektakulären Blick auf den Gletscher, gings, mit blauem Himmel über den Köpfen, über steile Treppen eine Felswand hinauf, um zum Zugang am Rande der Eisdecke zu gelangen. Als dann die Steigeisen unter die Stiefel geschnürt wurden, sah man neben sich das blau schimmernde Eis, von dem es unaufhörlich tropfte und kleine Flüsse stetig ihren Weg in Richtung Tal fanden.

Mit dem Tourführer voran trauten sich alle nacheinander in diese neue Welt und plötzlich war Eis überall. Es führte durch schmale Gänge, über Hügel, an vielen Löchern vorbei und über frisch geschlagene Treppen, wenn der An- bzw. Abstieg zu steil wurde. Martin war darauf aus, neue Wege und vielleicht sogar eine Höhle zu finden, was auf Grund der ständigen Bewegung des Gletschers (2 Meter in der Woche) gar nicht so einfach, aber gut möglich war. Er lief also mit seiner Axt voraus, fabrizierte Stufe über Stufe und brachte die Gruppe immer höher ein gutes Stück den Gletscher rauf. Die Sonne schien und es war ein wunderbarer Blick aufs Tal, ganz von Eis umzingelt.

Als die Gruppe den Rückweg angetreten hatte, fand Martin den Weg zu einer schon länger existierenden Eishöhle. Spiegelglatte Wände in einem sanftblauen 5 Meter langen Tunnel. Einfach atemberaubend dort hindurchzugehen.

Zur gleichen Zeit hatte Anne schon ihre erste, unvergessliche Begegnung mit den frechen und verspielten Keas, den Bergpapageien, hinter sich und stapfte nun, etwas weiter oben im Gletscher, mit ihrer vierköpfigen Gruppe durchs ewige Eis. Mit kiloweise Ausrüstung bepackt und mit Steigeisen und Eisäxten ausgerüstet, streiften sie auf der Suche nach steilen Wänden und tiefen Spalten, die sich zum Klettern eigneten, umher.

Als Übungsplatz bot sich eine zehn Meter hohe Bruchkante an, an der sie die grundlegenden Techniken des Eiskletterns, Abseilens und des Sicherns erlernten. Da die Gruppe ausnahmslos aus Naturtalenten bestand, überwand sie propmt noch eine zweite, doppelt so hohe Wand, bevor sich jeder einzeln in ein 25 Meter tiefes Loch abseilte, um an dessen soliden Eiswänden wieder herauszuklettern (wobei der wasserfall, der dort hinunterlief, regelmäßig für frisches Gletscherwasser im Nacken sorgte).

Als letzte große Herausforderung hatte der Tourführer eine riesige, 50 Meter tiefe Gletscherspalte herausgesucht, die jedem die perfekte Atmosphäre bot, um seinen letzten Klettereinsatz nocheinmal so richtig zu genießen.

Nachdem alle wohlbehalten wieder aus den Eiswelten zurückgkehrt waren, verbrachten wir den Abend mit Charlotte, die Pauline bei ihrer Wanderung kennengelernt hatte, und genossen zusammen den Sonnenuntergang am Meer und den wunderbaren Ausblick auf die rotgefärbten Südalpen.

15
Mrz

Wild Wild West

geschrieben in Erlebnisse  von admin am 15.03.2009

363 Tage im Jahr ist Hokitika ein kleines ruhiges Städtchen an der Westküste. Doch am zweiten Wochenende im März heißt es: Achtung, wild! Dann schwillt die Einwohnerzahl auf 35000 an, 98 Prozent davon sind verrückt verkleidete Partysuchende. Die verlockende Mischung aus exotischem Essen und berauschendem Alkohol hat sie angezogen. So durften auch wir beim nunmehr zwanzigsten Wildfoods-Festival nicht fehlen und machten uns schon am Vorabend mit reichlich Bier und Gemütlichkeit auf den Weg.

Etwas zu gemütlich, fragt man die örtliche Polizei, wurden wir doch wegen zu langsamen Fahrens angehalten. Fluffy ist ja nun mal nicht mehr der Jüngste, da muss man doch etwas Rücksicht nehmen.

Als wir, bereits im Dunkeln, das Stadtzentrum Hokitikas erreichten, war es schon von Menschenmassen überlaufen, die sich in den Pubs vergnügten und in der von Imbiss- und Souvenierständen gesäumten Hauptstraße flannierten, um sich auf das morgige Event, das eigentliche Festival, einzustimmen. So schnupperten auch wir uns von Lädchen zu Lädchen, allen Verlockungen widerstehend, bis zum Strand am Ende der Stadt. Dort loderten die Lagerfeuer und so gönnten wir uns noch ein Bierchen, bevor es Zeit fürs Bett war.

Am nächsten Morgen hieß es Schlange stehen vor dem Festivalgelände und rein ins abenteuerlich-kulinarische Vergnügen. Doch wo anfangen in dieser Hülle und Fülle? Als Vorspeise wählten wir Würmer; einmal geröstet als Brotdip und schokoladig-süß in der Praline. War zwar beides lecker, aber viel Wurm war nicht zu schmecken. Zum Runterspülen eignete sich ein traditioneller Mango-Lassi, ein altes indisches Joghurtgetränk. Den Bergaustern (Hammelhoden) und Huhu-Grubs (lebendigen Riesenmaden) konnten wir mit Leichtigkeit widerstehen, obwohl sie auf so passionierte Weise präsentiert wurden. Statt dessen probierten wir eines der verrückten irischen Rezepte: Frittierte Marsriegel. Heiß, fettig und lecker! Das darauf folgende Schweinehirn erinnerte etwas an eine Mischung aus Hackfleisch und Leberkäs, die eingelegte Punga (neuseeländische Palme) war eher holzig geschmacksneutral, die Muschelsuppe dafür umso delikater und exquisit, die fruchtige Hirsch-Blaubeer-Bratwurst leider etwas angebrannt, aber okay. Zu den Highlights gehörte zweifellos die Kuhzunge: Äußerst zartes und wohlschmeckendes Fleisch, das im Mund fast zerging. Nach der etwas einfallslosen aber trotzdem schmackhaften Straußenpastete gönnten wir uns ersteinmal eine Verdauungspause vor der Bühne.

Genau zur richtigen Zeit, wie wir feststellen mussten, denn gerade begann eine artistische Flugshow und über unseren Köpfen formierten sich fünf Flugzeuge, drehten Salti und Schrauben und flogen waghalsige Manöver, die am Boden begeisterten Beifall auslösten. Die nachfolgende Band heizte den vielen bereits zur Mittagszeit angetrunkenen Gemütern mit Coversongs ein. Die verschiedensten kostümierten Gestalten trafen sich zum Tanz: Die Teletubbies, Bananas in Pyjamas, ein Schwarm Bienchen, eine Bikergang, die Powerrangers und auch ein Trupp Camouflage-Soldaten kam fast unsichtbar vor die Bühne geschlichen.

Da fielen wir mit unserem Normalo-Look ziemlich aus der Reihe und das musste sich ändern. Also zurück zu Fluffy und dem Ranfurly (seit der Farm unser Lieblingsbier, das immer dabei sein muss), alles, was Kostümtauglich ist, angelegt, zwei, drei Bier eingefüllt und wieder zurück aufs Festival.

Schon waren wir mittendrin und als Teil der Party erkennbar. Also setzten wir den großen Essensmarathon fort mit salzigem Muttonbird (neuseeländischer Seevogel), echter deutscher Bratwurst und, als Nachtisch, Schweinchen-Schokomuffin und niederländischem Donut, bevor es wieder ans Tanzen ging. Die irische Band machte gut Stimmung und alle sprangen und drehten sich hüpfend im Kreise. Die ganze Atmosphäre erinnerte etwas an die Fusion, nur dass es hier alle möglichen Sorten Fleisch zu essen gab :)

Das eigentliche Festival war am späten Nachmittag zu Ende, sodass es nun alle Wilden auf die Straßen und in die Pubs zog, um in die Nacht zu feiern. Wir lernten auch gleich drei Partykameraden kennen, mit denen wir Bier und Jägerbombs becherten und viel zu lachen hatten. Wir verbrachten die Nacht damit, die unendlich lange Reihe von Lagerfeuern, die den Strand säumten, abzuklappern, uns warm zu halten und jede Menge neuer Leute kennenzulernen.

Bevor es spät ins Bett ging, konnten wir allerdings nicht darum herum, uns noch ein gutes, altes Omelette als Gute-Nacht-Schmaus zuzubereiten. Die perfekte Art und Weise, einen Tag wie diesen zu beenden.