From Neustrelitz to New Zealand
3
Mai

Mit Umwegen und Sackgassen

geschrieben in Erlebnisse  von admin

Der Arthurs Pass ist mit 924 Metern die höchstgelegene Verbindung zwischen der West- und der Ostküste und einer von drei Pässen über die Southern Alps. Da der Weg dorthin ziemlich weit ist, verbrachten wir eine Nacht am Fuße der Berge, bevor wir in größere Höhen aufstiegen. So erwachten wir am nächsten Morgen in einer frostigen, jedoch wunderschönen Berglandschaft, in welcher die Sonne die schneebedeckten Spitzen beschien und uns die Kälte der eisigen Nacht schnell vergessen ließ.

Während wir uns inmitten einer atemberaubenden Umgebung befanden, fuhren wir mit staunenden Gesichtern immer weiter ins Gebirge hinein bis plötzlich alles um uns herum weiß wurde. Nach einer Viertelstunde Schleichfahrt durch dichten Wolkennebel, eröffnete sich vor uns ein großes, wieder sonnenbeschienenes Tal und wir hatten fast den eigentlichen Pass erreicht. Dort angekommen verspeisten wir leckere Sandwiches zum Brunch und gingen auf einen Track zu einem hohen Wasserfall, genannt “Teufels Punschbowle”.

Danach begaben wir uns wieder auf die Fahrt zurück und ließen Berge und Täler in einer Wow-ist-das-hier-schön-Stimmung an uns vorbeiziehen. Wohin es uns dann verschlug, ließ uns ganz aufgeregt werden. Auf dem Rückweg zur Ostküste standen wir auf einmal vor dem Eingangsschild zum Ort Springfield. Der Stolz des kleinen Städtchens eröffnete sich uns einige Meter weiter, als wir einen riesigen Donut auf einer sonst leeren Grasfläche präsentiert sahen. Springfield gefiel uns, das stand fest.

Unser Nachtlager schlugen wir an einem breiten Fluss auf, von wo aus wir uns am nächsten Morgen direkt nach Kaikoura aufmachten. Dies sollte der letzte Tag auf der Südinsel werden, wovon wir allerdings zu diesem Zeitpunkt noch selbst keinen blassen Schimmer hatten.

Bei bestem Wetter kamen wir in die Hafenstadt Kaikoura, die der Tourismus in den letzten Jahren so berühmt gemacht hatte und begaben uns zur Spitze der kleinen Halbinsel, um dort zu einer Robbenkolonie zu wandern. Obwohl wir wussten, dass die Flut schon bald ihr Hoch erreicht hatte, wählten wir den unteren Weg an Felsen und Strand entlang und nicht den, der höher gelegen auf der Steilküste war.

Somit genossen wir die menschenleere Ruhe und spazierten eine gute Weile neben dem tiefblauen Meer bis uns plötzlich jede Menge Robben den Durchgang versperrten. Aber keine Panik, ein Weg lässt sich schon bahnen, ab durch eine Höhle und weiter geht´s. Doch auch am nächsten Strand sonnten sich faul die pelzigen Tiere und schienen nicht weniger zu werden. An einem Felsvorsprung sahen wir uns dann erschrocken vor einem fauchenden Robbenmännchen stehen, das sich beileibe um keinen Zentimeter bewegen wollte. Der Wasserspiegel ließ es leider nicht zu, dass wir den Felsen, auf dem er saß, umgehen konnten, so drehten wir um und bestiegen stattdessen eine steile, nicht ganz ungefährliche Küstenwand, um auf dem anderen Track zurück zum Auto zu gehen.

Mit einer großen Portion Fish ‘n’ Chips erholten wir uns vom Schrecken, woraufhin wir Kaikoura hinter uns ließen und uns in Richtung Norden begaben. Da stellten wir fest, das es noch möglich wäre, die Abendfähre zur Nordinsel zu kriegen, was in diesem Fall weniger als zwei Stunden bedeutete, also wurde Fluffy Feuer unterm Motor gemacht und wir rasten ins Ungewisse, nicht einmal sicher, ob noch Plätze verfügbar waren.

Aber alles lief am Ende gut und wir legten im Dunkeln von der Südinsel ab, noch ganz überrascht von einem so spontanen und schnellen Abschied wie diesem. Es lagen nun nur noch wenige Wochen vor uns, um den noch unerkundeten Rest der Nordinsel zu bereisen, bis es heißen soll: Deutschland, wir kommen wieder!

1
Mai

Großstadtdschungel

geschrieben in Erlebnisse  von admin

Die große Stadt, Christchurch – das hieß für uns in erster Linie wie immer allerhand organisatorisches Zeug zu erledigen.

Nachdem das abgehakt werden konnte, gönnten wir uns einen Tag auf der beliebten Banks-Halbinsel, die direkt neben der Stadt in den Pazifik hineinragt. Da es das Wetter noch immer nicht so richtig gut mit uns meinte, steckten wir die halbe Fahrt mitten in der Wolkendecke und fühlten und wie im Nichts verloren. Wenn sich trotzdem ab und zu Aussichten auf die vielen Buchten und Häfen boten, waren diese immer einen Blick wert – vorrausgesetzt, die teilweise sehr schlechten Straßen erlaubten es, dass man ein Auge von ihnen abwendete.

Wieder zurück in Christchurch verbrachten wir einige Stunden im Internet der Bibliothek und verloren dabei anscheinend das Gefühl für die Zeit. Jedenfalls führte es dazu, dass Fluffy im Stadtpark eingeschlossen war, da dessen Tore bei Sonnenuntergang gesperrt werden.

Nachdem wir zwangsweise eine Nacht im Park verbracht hatten, widmeten wir den folgenden Tag dem kulturellen und historischen Angebot der Stadt. Im Museum bestaunten wir unter anderem das berühmte Paua-Haus, welches über und über mit polierten, farbenfrohen Paua-Muscheln dekoriert ist. Danach besuchten wir die alten Universitätsgebäude, die heute das Arts Centre beherbergen. Den Höhepunkt markierte die imposante Kathedrale, dessen Buntglasfenster und moderne Orgel beeindrucken konnten, wohingegen man die übertriebene Beleuchtung schon fast als störend empfand. Einen gelungenen Abschluss bildete die Kunstgalerie, die mit ihrer ausgewogenen Ausstellung von klassischer und zeitgenössischer Kunst für jeden etwas zu bieten hatte.

Vor dem Abschied von Christchurch wollten wir unseren Wagemut auf die Probe stellen und begaben uns in den Adrenalin Forest, der seinen Namen redlich verdient hat.  Das kleine Waldstück, in dem sechs Parkurs mit unterschiedlichen Schwierigkeits- und Höhegraden angelegt sind, sah vom Boden wie ein riesiges Klettergerüst für Erwachsene aus.

Wir legten das Sicherungsgeschirr an, lernten, wie wir an den Drahtseilen entlanggehen, uns hangeln und uns herunterrutschen lassen können, und schon sahen wir uns in Netzen herumklettern, wanderten Strecken dünnen Drahtseils ab und meisterten die verschiedensten Arten schwingender und wackliger Überquerungen von einem Baum zum nächsten. Mit dazu gehörten nepalesische Brücken, ein paar Tarzansprünge, hintereinander aufgereihte Tonnen und das alles galt es mehrere Meter über dem Erdboden zu bestreiten.

Bis zum vierten Pakur waren die Anforderungen an Ballance und Muskelkraft an ein anspruchsvolles Niveau gewaschen und  mit dem fünften Pfad war auch die deutlich gestiegene Höhe nicht mehr zu ignorieren. Gegenseitiges Anspornen bewahrte uns mehrere Male vorm Aufgeben und einem verfrühten Abbruch und wir nahmen auch noch den sechsten und letzten Parkurs in Angriff. Winzige Plattformen in schwindelerregender Höhe, lockere Drahtseile und Netze und ein spidermanartiger Supersprung vom höchsten Punkt (17 Meter) ließen uns selbst an unseren gesunden Menschverstand zweifeln.

Sage und schreibe fünf Stunden brauchten wir, mit allem fertig zu werden, was uns manche Nerven und viel Willenskraft gekostet hatte. Mit so viel Aufregung und Action verließen wir letztlich Christchurch und machten uns auf zum Arthur’s Pass, wo die Divise lautete: Der Weg ist das Ziel.

27
Apr

Härtetest

geschrieben in Erlebnisse  von admin
Comments Off

Wir setzten unsere Fahrt ab jetzt auf der Ostseite der Südinsel fort und konnten es somit nicht leugnen: Wir waren eindeutig auf dem Rück- und Nachhauseweg in Richtung Norden, nachdem wir wochenlang der Antarktis entgegengereist waren. Noch dazu waren wir gehörig aus dem ursprünglichen Zeitplan geraten und verspürten nun einen gewissen “Reisedruck”.

Um diesem Luft zu machen, sind wir mit Fluffy über die weiten, goldgelben Grasebenen des Mackenzie-Country geheizt, wo wir am nächsten Morgen eiinen langen Umweg zum Mount Cook oder Aoraki auf uns nahmen. Dieser führte zunächst entlang des riesigen Lake Pukaki, einem Schmelzwassersee, der von den umgebenden Gletschern des Mount Cook gespeist wird. Von den dort gelösten Löss-Partikeln erhält er seine wunderbar leuchtende, grünlich-türkise Farbe.

Von hier aus ging es hinauf in alpine Gefilde, wo wir die verschneiten Kuppen der uns umgebenden Bergketten leider nicht bewundern konnten, denn große, graue Wolkentürme versperrten jede Sicht.

Am Ende der Straße angekommen, hatten wir Mount Cook zwar noch immer nicht gesichtet, aber komplett unverrichteter Dinge wieder abzuziehen, kam auch trotz des einsetzenden strömenden Regens nicht in die Tüte. Mit wetterfester Jacke und Regenschirm ausgerüstet liefen wir dem Sturm trotzend, durch Pfützen und Flüsschen stampfend zum Aussichtspunkt des Müller-Gletschers und danach zu einer großen Hängebrücke über dessen Gletschersee.

Vollkommen durchgeweicht galt unser nächster Stopp einem weiteren wunderschönen,  tükis-blauen Bergsee, dem Lake Tekapo, wo wir beschlossen, für die Nacht unser Lager aufzuschlagen. Bei der Suche nach einem geeigneten Platz allerdings, blieben wir mitten im Wald im tückischen Schlamm stecken. Nach circa zwei Stunden war Fluffy dank erfinderischer Ideen und handfestem Muskeleinsatz zwar einige Meter weitergerückt, steckte insgesamt aber noch tiefer im Matsch als zuvor.

Da es mittlerweile dunkel wurde, beschlossen wir, einfach vor Ort zu übernachten und am nächsten Morgen Hilfe zu holen. Es würde schon nicht regnen,  schließlich war keine einzige Wolke am Himmel. Natürlich – wie sollte es anders sein – regnete es die ganze Nacht hindurch und am nächsten Morgen steckte Fluffy nicht nur im Matsch, sondern in einem großen, schlammigen See. Es war eindeutig Zeit, Hilfe zu holen.

Das stellte sich als einfacher heraus, als gedacht. Nur einhundert Meter entfernt an die nächste Haustür geklopft und schon saßen wir in einem kräftigen Jeep, der Fluffy mir-nichts-dir-nichts aus seiner Misere befreit hatte. Warum denn nicht gleich so?

Auf diese Aufregung gönnten wir uns ein Frühstück im Café und einen Spaziergang am See, bevor wir sorgenfrei nach Christchurch, der größten Stadt der Südinsel, aufbrachen.